Avodah Zarah 12

Kapitel 12

א מנין שלא יושיט אדם כוס של יין לנזיר ואבר מן החי לבני נח ת"ל (ויקרא יט, יד) ולפני עור לא תתן מכשול והא הכא דכי לא יהבינן ליה שקלי איהו וקעבר משום לפני עור לא תתן מכשול
1 Woher, daß man einem Nazir keinen Becher Wein und einem Noaḥiden kein Glied von einem lebenden Tierehinreichen darf? Es heißt: <i>du sollst vor einem Blinden kein Hindernis legen</i>, diese würden ja, auch wenn man sie ihnen hinreichen würde, selber nehmen, dennoch übertritt man das Verbot, vor einem Blinden kein Hindernis zu legen!? —
ב הב"ע דקאי בתרי עברי נהרא דיקא נמי דקתני לא יושיט ולא קתני לא יתן ש"מ
2 Hier handelt es sich um den Fall, wenn sie auf der gegenüberliegenden Seite eines Flusses stehen. Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: nicht hinreichen, nicht aber: nicht geben. Schließe hieraus.
ג איבעיא להו נשא ונתן מאי ר' יוחנן אמר נשא ונתן אסור ר"ל אמר נשא ונתן מותר איתיביה רבי יוחנן לריש לקיש אידיהן של עובדי כוכבים נשא ונתן אסורין מאי לאו לפני אידיהן לא אידיהן דוקא
3 Sie fragten: Wie ist es, wenn man ein Geschäft abgeschlossen hat? R. Joḥanan sagte, hat man ein Geschäft abgeschlossen, sei [die Nutznießung] verboten; Reš Laqiš sagte, hat man ein Geschäft abgeschlossen, sei [die Nutznießung] erlaubt. R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Die Feste der Nichtjuden: hat man mit ihnen ein Geschäft abgeschlossen, so ist [die Nutznießung] verboten. Doch wohl vor dem Feste!? — Nein, nur während des Festes selbst.
ד א"ד איתיביה ר"ש בן לקיש לרבי יוחנן אידיהן של עובדי כוכבים נשא ונתן אסור אידיהן אין לפני אידיהן לא תנא אידי ואידי אידיהן קרי ליה
4 Manche lesen: R. Šimo͑n b. Laqiš wandte gegen R. Joḥanan ein: Die Feste der Nichtjuden: hat man mit ihnen ein Geschäft abgeschlossen, so ist [die Nutznießung] verboten. Nur am Feste selbst, nicht aber vor dem Feste!? — Der Autor nennt beides ‘Fest’.
ה תניא כוותיה דר"ל כשאמרו אסור לשאת ולתת עמהם לא אסרו אלא בדבר המתקיים אבל בדבר שאינו מתקיים לא ואפילו בדבר המתקיים נשא ונתן מותר תני רב זביד בדבי רבי אושעיא דבר שאין מתקיים מוכרין להם אבל אין לוקחין מהם
5 Übereinstimmend mit Reš Laqiš wird gelehrt: Wenn sie gesagt haben, es sei verboten, mit ihnen Handel zu treiben, so bezieht sich dieses Verbot nur auf Dinge, die sich halten, nicht aber auf Dinge, die sich nicht halten; und selbst bei Dingen, die sich halten, ist, wenn man den Handel abgeschlossen hat, [die Nutznießung] erlaubt. R. Zebid lehrte im Namen der Schule R. Oša͑jas: Dinge, die sich nicht halten, darf man ihnen verkaufen, nicht aber von ihnen kaufen.
ו ההוא מינאה דשדר ליה דינרא קיסרנאה לרבי יהודה נשיאה ביום אידו הוה יתיב ריש לקיש קמיה אמר היכי אעביד אשקליה אזיל ומודה לא אשקליה הויא ליה איבה א"ל ריש לקיש טול וזרוק אותו לבור בפניו אמר כל שכן דהויא ליה איבה כלאחר יד הוא דקאמינא:
6 Einst sandte ein Minäer an seinem Feste einen Kaiser-Denar an R. Jehuda den Fürsten; da sprach dieser zu Reš Laqiš, der vor ihm saß: Was mache ich nun: nehme ich ihn an, so geht er und dankt [seinem Götzen], nehme ich ihn nicht an, so hegt er Feindschaft gegen mich? Reš Laqiš erwiderte ihm: Nimm ihn an und wirf ihn in seiner Gegenwart in eine Grube. Jener entgegnete: So wird er erst recht Feindschaft gegen mich hegen. — Ich meine, wie absichtslos.
ז להשאילן ולשאול מהן כו': בשלמא להשאילן דקא מרווח להו אבל לשאול מהן מעוטי קא ממעט להו אמר אביי גזרה לשאול מהן אטו להשאילן רבא אמר כולה משום דאזיל ומודה הוא:
7 I<small>HNEN ETWAS ZU LEIHEN ODER VON IHNEN ZU LEIHEN &amp;C.</small> Allerdings ihnen zu leihen, weil man ihnen einen Nutzen zukommen läßt, weshalb aber nicht von ihnen leihen, man nimmt ihnen ja ab!? Abajje erwiderte: Das Leihen wurde wegen des Verleihens verboten. Raba erwiderte: Alles, weil er gehen und [seinem Götzen] danken würde.
ח להלוותם וללוות מהן: בשלמא להלוותם משום דקא מרווח להו אלא ללוות מהן אמאי אמר אביי גזרה ללוות מהן אטו להלוותם רבא אמר כולה משום דאזיל ומודה הוא:
8 I<small>HNEN ZU BORGEN UND VON IHNEN ZU BORGEN.</small> Allerdings ihnen zu borgen, weil man ihnen zukommen läßt, weshalb aber nicht von ihnen borgen? Abajje erwiderte: Das Borgen wurde wegen des Verborgens verboten. Raba erwiderte: Alles, weil er gehen und [seinem Götzen] danken würde.
ט לפורען ולפרוע מהן כו': בשלמא לפורען משום דקא מרווח להו אלא לפרוע מהן מעוטי ממעט להו אמר אביי גזירה לפרוע מהן אטו לפורען רבא אמר כולה משום דאזיל ומודה הוא
9 A<small>N SIE ZU BEZAHLEN ODER VON IHNEN EINE</small> Z<small>AHLUNG ZU NEHMEN &amp;C</small>. Allerdings an sie zu zahlen, weil man ihnen zukommen läßt, weshalb aber nicht von ihnen Zahlung nehmen, man nimmt ihnen ja ab!? Abajje erwiderte: Die Annahme einer Zahlung von ihnen wurde wegen der Zahlung an sie verboten. Raba erwiderte: Alles, weil er gehen und [seinem Götzen,] danken würde.
י וצריכי דאי תנא לשאת ולתת עמהן משום דקא מרווח להו ואזיל ומודה אבל לשאול מהן דמעוטי קא ממעט להו שפיר דמי
10 Und [alle Fälle sind] nötig. Würde er es nur vom Handel gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil ihm die Sache wichtig ist, er würde daher gehen und [seinem Götzen] danken; das Leihen aber, wobei man ihnen etwas abnimmt, sei erlaubt.
יא ואי תנא לשאול מהן משום דחשיבא ליה מילתא ואזיל ומודה אבל ללוות מהן צערא בעלמא אית ליה אמר תוב לא הדרי זוזי
11 Würde er es nur vom Leihen gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil ihm die Sache wichtig ist; er würde daher gehen und [seinem Götzen] danken; beim Borgen aber tue es ihm leid, denn er befürchtet, er werde das Geld nicht mehr zurückerhalten.
יב ואי תנא ללוות מהן משום דקאמר בעל כרחיה מיפרענא והשתא מיהא אזיל ומודה אבל ליפרע מהן דתו לא הדרי זוזי אימא צערא אית ליה ולא אזיל ומודה צריכא
12 Und würde er es nur vom Borgen gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil er sich sagt, die Rückzahlung werde er schon durch Zwang eintreiben, vorläufig aber geht er und dankt [seinem Götzen]; wenn man aber von ihm Zahlung nimmt, wobei das Geld nicht mehr zu ihm zurückkehrt, tue es ihm leid und er gehe nicht danken. Daher [sind alle Fälle] nötig.
יג רבי יהודה אומר נפרעין מהן כו': ולית ליה לרבי יהודה אף על פי שמיצר עכשיו שמח הוא לאחר זמן
13 R. J<small>EHUDA SAGT, MAN DÜRFE VON IHNEN</small> Z<small>AHLUNG NEHMEN &amp;C</small>. Hält denn R. Jehuda nichts von [der Erklärung]: obgleich dies ihn jetzt schmerzt, ist er später dennoch froh,
יד והתניא רבי יהודה אומר אשה לא תסוד במועד מפני שניוול הוא לה ומודה ר' יהודה בסיד שיכולה לקפלו במועד שטופלתו במועד אע"פ שמצירה עכשיו שמחה היא לאחר זמן
14 es wird ja gelehrt: R. Jehuda sagt, eine Frau dürfe am Halbfeste keinen Kalk auftragen, weil dies sie verunziert; jedoch pflichtet R. Jehuda bei, daß sie den Kalk, den sie noch am Feste entfernen kann, am Feste auftragen dürfe, denn wenn es ihr auch jetzt unangenehm ist, so ist sie später froh!?
טו אר"נ בר יצחק הנח להלכות מועד דכולהו מיצר עכשיו שמחה לאחר זמן רבינא אמר עובד כוכבים לענין פרעון לעולם מיצר
15 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Laß doch die Vorschriften über das Halbfest, bei diesen allen ist es zur Zeit unangenehm, später aber ist man froh. Rabina erwiderte: Einen Nichtjuden schmerzt die Leistung einer Zahlung immer. —
טז מתניתין דלא כר' יהושע בן קרחה דתניא ריב"ק אומר מלוה בשטר אין נפרעין מהן מלוה על פה נפרעין מהן מפני שהוא כמציל מידם
16 Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht des R. Jehošua͑ b. Korḥa, denn es wird gelehrt: R. Jehošua͑ b. Korḥa sagte, ein Darlehen auf einen Schuldschein dürfe man sich von ihnen nicht bezahlen lassen, ein mündliches Darlehen dürfe man sich von ihnen wohl bezahlen lassen, weil man es aus ihrer Hand rettet.
יז יתיב רב יוסף אחוריה דר' אבא ויתיב רבי אבא קמיה דרב הונא ויתיב וקאמר הלכתא כרבי יהושע בן קרחה והלכתא כר' יהודה
17 R. Joseph saß hinter R. Abba und R. Abba saß vor R. Hona, und dieser trug vor: Die Halakha ist wie R. Jehošua͑ b. Qorḥa, und die Halakha ist wie R. Jehuda.
יח הלכתא כרבי יהושע הא דאמרן כר' יהודה דתניא הנותן צמר לצבע לצבוע לו אדום וצבעו שחור שחור וצבעו אדום
18 Die Halakha ist wie R. Jehošua͑, wie wir eben gesagt haben, die Halakha ist wie R. Jehuda, denn wir haben gelernt: Wenn jemand einem Färber Wolle rot zu färben gegeben hat, und er sie schwarz gefärbt hat, oder schwarz zu färben, und er sie rot gefärbt hat,